Gibt es den Mutterinstinkt wirklich? Was die Hirnforschung über Schwangerschaft, Muttertät und Väter herausgefunden hat und was das für dich als Mutter bedeutet.
„Das hast du doch im Gefühl.“ „Mütter wissen das instinktiv.“ Kaum ein Satz setzt junge Mütter so unter Druck wie dieser. Denn was ist, wenn das Gefühl nicht sofort da ist? Wenn du nicht weißt, warum dein Baby weint? Wenn du dich fragst, ob mit dir etwas nicht stimmt?
Die Forschung hat dazu inzwischen eine klare Antwort. Und sie ist für viele Frauen eine Erleichterung.
Einen angeborenen Mutterinstinkt gibt es nicht
Die Autorinnen Annika Rösler und Evelyn Höllrigl Tschaikner haben in ihrem Buch „Mythos Mutterinstinkt“ zusammengetragen, was die Hirnforschung heute über Elternschaft weiß.
Was es dagegen gibt, ist eine tiefgreifende Veränderung, die wirklich im Gehirn sichtbar ist.
Was in der Schwangerschaft im Gehirn passiert
Das Gehirn bereitet sich auf das Baby vor
Ein Forschungsteam um Elseline Hoekzema hat Frauen vor und nach ihrer ersten Schwangerschaft im MRT untersucht.
- Die graue Substanz verringerte sich in Bereichen, die für soziales Verstehen zuständig sind.
- Die Veränderungen waren so deutlich, dass man allein am Hirnbild erkennen konnte, welche Frau schwanger gewesen war.
- Sie hielten mindestens zwei Jahre an.
- Die veränderten Bereiche reagierten später besonders auf das eigene Baby.
- Je stärker die Veränderung war, desto stärker war die Bindung der Mutter zu ihrem Kind.
Eine Feinabstimmung wie in der Pubertät
Ein Team um Laura Pritschet und Emily Jacobs hat das Gehirn einer Frau alle paar Wochen gescannt, von der Zeit vor der Schwangerschaft bis zwei Jahre nach der Geburt. Die graue Substanz nahm ab, während die Hormone stiegen. Die Forschenden sehen darin keinen Schaden, sondern eine Feinabstimmung des Gehirns, ähnlich wie in der Pubertät.
Muttertät: die zweite Pubertät
Genau diesen Vergleich gibt es schon lange. In den 1970er-Jahren prägte die Anthropologin Dana Raphael den Begriff Matreszenz, auf Deutsch Muttertät. Sie betonte: Die Geburt allein macht aus einer Frau noch keine Mutter. Das Hineinwachsen braucht Zeit.
Die Psychologin Aurélie Athan von der Columbia University in New York hat den Begriff wiederbelebt. Sie beschreibt die Muttertät als Entwicklung, die fast alle Lebensbereiche betrifft: Körper, Gefühle, Beziehungen, Arbeit, Geld und die Frage, wer man ist. Wie die Pubertät ist sie eine Zeit des Umbruchs, aber auch eine Zeit, in der man sich selbst neu finden kann.
Auch Väter verändern sich
Das Fürsorge-Gehirn wächst mit der Zeit, die man mit dem Kind verbringt
Das Team um Ruth Feldman untersuchte drei Gruppen von Eltern:
- Mütter, die sich hauptsächlich um das Kind kümmerten
- Väter, die eher die zweite Bezugsperson waren
- Väter, die als gleichgeschlechtliches Paar ohne Mutter allein für ihr Kind sorgten
Bei den Vätern, die die Hauptbezugsperson waren, reagierte das Gehirn ähnlich wie bei Müttern. Und bei allen Vätern galt: Je mehr Zeit sie mit der direkten Betreuung verbrachten, desto stärker veränderte sich ihr Gehirn.
Das Fürsorge-Gehirn ist also nicht nur eine Frage des Geschlechts. Es wächst mit dem, was wir tun.
Was das für dich als Mutter bedeutet
- Du musst nicht alles sofort wissen. Mutter sein wird gelernt, Tag für Tag.
- Du bist nicht falsch, wenn sich Liebe langsam entwickelt oder du gemischte Gefühle hast.
- Die Fürsorge muss nicht automatisch bei dir liegen. Wer sich kümmert, wächst hinein, auch der Vater.
- Jede Mutter darf anders sein. Es gibt nicht die eine richtige Art, Mutter zu sein.
Und genau hier setze ich mit Human Design an. Wenn es keinen Instinkt gibt, der allen Müttern dasselbe vorschreibt, stellt sich eine viel spannendere Frage: Wie bist du als Mutter angelegt? Was gibt dir Kraft, und was darfst du abgeben?
Willst du erfahren, wie du als Mutter funktionierst?
Es gibt nicht die eine richtige Art, Mutter zu sein. Aber es gibt deine. In einem persönlichen Termin schauen wir gemeinsam darauf, wie du angelegt bist und was du als Mutter wirklich brauchst.
Termin buchen Schreib mir auf WhatsAppRaus aus dem Kopf, rein in den Körper, vertraue dir selbst.
Quellen
- Rösler, A. und Höllrigl Tschaikner, E.: Mythos Mutterinstinkt. Wie moderne Hirnforschung uns von alten Rollenbildern befreit und Elternschaft neu denken lässt. Kösel. Auch als Hörbuch erhältlich.
- Hoekzema, E. u. a. (2017): Pregnancy leads to long-lasting changes in human brain structure. Nature Neuroscience. Zur Studie
- Pritschet, L., Jacobs, E. u. a. (2024): Neuroanatomical changes observed over the course of a human pregnancy. Nature Neuroscience. Zum Bericht der Universität
- Abraham, E., Feldman, R. u. a. (2014): Father's brain is sensitive to childcare experiences. PNAS. Zur Studie
- Athan, A. (2024): A critical need for the concept of matrescence in perinatal psychiatry. Frontiers in Psychiatry. Zum Artikel
- Interview mit Annika Rösler: web.de
- Interview mit Evelyn Höllrigl Tschaikner: familie.de
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